Jobfrust IT

Jobfrust IT: So findest du deinen Traum-Arbeitgeber

Entwickler haben heute die Qual der Wahl. Die Jobchancen sind mehr als gut, aber häufig sind Entwickler nach wenigen Wochen im neuen Job frustriert. Vieles läuft plötzlich anders als versprochen. Schlecht geplante IT-Projekte lassen sich selten durch kostenfreie Getränke und Obst aufwiegen. Unsere Head of Human Resources erklärt wechsel willigen Developern, welche Fragen sie im Bewerbungsprozess stellen sollten und wie sie ihren Traumarbeitgeber erkennen.

Vor der Suche – Wer bin ich, was will ich und wie präsentiere ich mich?

Um den passenden Job zu finden, solltest du den Bewerbungsprozess bei dir und nicht bei Stepstone starten. Wer bin ich? Was sind meine Stärken? Fachlich und persönlich? Wie schätze ich mich selbst ein? Überlege genau, was du dir wünschst. Welche Tätigkeiten möchtest du ausführen, welche langweilen dich und welche möchtest du in jedem Fall vermeiden? Was hat dich im letzten Job richtig frustriert und warum? Was müsste ein neuer Arbeitgeber oder Vorgesetzter anders machen? Nimm dir bei deinen Überlegungen ausreichend Zeit. Denn diese begleiten dich über den gesamten Bewerbungsprozess hinweg.

Dein nächster Schritt auf der Agenda: Die Gestaltung deines Lebenslaufs.

Gerade im IT-Dschungel ist es für Personaler schwierig zu erkennen, ob ein Kandidat fachlich passt oder nicht. Erstelle eine Übersicht aller Skills, die du für wichtig hältst und bewerte dich, mit Sternchen, Punkten oder ähnlichem.

Werde dir klar darüber, was du möchtest

Fokussiere dich bei deiner Bewerbung auf das, was du möchtest und auf das, was die Stelle verlangt. Kontraproduktiv ist, wenn du Kenntnisse in den Vordergrund stellst, auf die du zwar stolz bist, die aber weder zur Stelle, noch zu deinen Zukunftswünschen passen. Denn damit könnte für den Personaler schnell ein falscher Eindruck entstehen. Sei dir darüber bewusst, dass die Personalabteilung deinen Lebenslauf genauso scannt, wie du Stellenanzeigen.

Bewertet werden dabei vor allem folgende Inhalte: Fachliche Übereinstimmung, Motivation, Rahmenbedingungen und der Gesamteindruck deiner Bewerbung. Gehen auf eine Position nur wenige Bewerbungen ein, rückt der ein oder andere Punkt mit großer Wahrscheinlichkeit in den Hintergrund. Aber solltest du in Konkurrenz zu anderen Kandidaten stehen, kann eine gute Selbstdarstellung den Ausschlag für eine Einladung geben. Ein motivierter Mitarbeiter kann schnell auf Augenhöhe mit einem Bewerber treten, der fachlich zwar stärker, dafür aber unmotiviert wirkt.

Was motiviert dich?

Sprich ungünstige Rahmenbedingungen an! Ein Beispiel: Sollte dein Fahrtweg zur Arbeitsstätte lang sein, erwähne diesen Punkt bereits in deinem Motivationsschreiben. Formuliere weshalb du bereit bist den Fahrtweg auf dich zu nehmen und was dich motiviert. Wenn zum Beispiel das gelegentliche Arbeiten von Zuhause für dich ein absolutes Muss ist, erwähne dein Anliegen ebenfalls bereits im Anschreiben. Sollte das Unternehmen kein Home-Office anbieten, kannst du dir und dem Unternehmen leicht viel Zeit sparen.

Die Suche beginnt – Wie du dich richtig über das Unternehmen informierst

Die Stellenanzeige

Fachkenntnisse kritisch hinterfragen: Fachkenntnisse in Stellenanzeigen können falsch sein. Das passiert, wenn sich die Personalabteilung nicht ausreichend mit der Fachabteilung abstimmt oder sonst unsauber gearbeitet wurde. Daher solltest du Anforderungen in Anzeigen stets hinterfragen. Passt dein Lebenslauf nur zu 90 % auf das Stellenprofil, weil dir die hervorragenden Englischkenntnisse fehlen? Frag lieber nochmal nach, wie gut deine Englischkenntnisse wirklich sein müssen.

Standardfloskeln nicht überbewerten: Viele Anzeigen ähneln sich und wirken auf den Leser monoton. Denn die Anforderungen an die Soft-Skills der Bewerber sind oft gleich. Jedes Unternehmen sucht motivierte Mitarbeiter, die auch teamfähig sind. Manchmal führen auch Faktoren wie fehlende Zeit oder starre Strukturen in Unternehmen zu wenig aussagekräftigen Profilanforderungen. Ein Beispiel: „In Team- und Projekt-Meetings bringst du deine Ideen zur stetigen Verbesserung der Team-Leistung ein.“ Und in der Praxis? Da sieht es ganz anders aus. Jeder Mitarbeiter kann, muss aber keine Vorschläge in Meetings machen. Ideen können genauso gut auf direktem Weg an den Vorgesetzten kommuniziert werden. Denn nicht jeder Mitarbeiter möchte seine Ideen in großer Runde kundtun. Standardfloskeln sollten daher auf keinen Fall deine Entscheidung beeinflussen eine Bewerbung zu versenden oder nicht.

Weitere Informationsquellen

Bewertungen des Unternehmens sorgfältig lesen: Ein bekanntes Portal für Unternehmensbewertungen ist Kununu. Aber auch in den sozialen Netzwerken wie Xing, LinkedIn, Facebook oder Twitter, können Mitarbeiter ihr Unternehmen liken und Beiträge kommentieren.

Achtung! Lesen sich die positiven Bewertungen gestelzt und allzu gut? Bei anonymen Profilportalen wie Kununu könnten solche Bewertungen auch direkt von der Personal- oder Marketingabteilung verfasst worden sein. Gehäufte negative Bewertungen sind ebenfalls kritisch zu betrachten. Denn woher weiß ich, dass ein enttäuschter Mitarbeiter nicht mehrfach Kritik auf einem Portal hinterlässt. Und wer Frust hat, lässt ihn raus. Wer zufrieden ist, hat nichts zu meckern und äußert sich selten. Aussagekräftiger sind für mich Portale wie Xing, LinkedIn und Facebook, die auch Rückschluss auf den Verfasser geben.

Und wie bewerte ich anonyme Beiträge? Setze auf Beiträge, die sowohl negative als auch positive Aspekte enthalten. Sie kommen der Wahrheit wohl häufig am nächsten.

Soziale Medien nutzen: Wie präsentiert sich ein Unternehmen? Was gibt ein Unternehmen über die Unternehmenskultur in den Sozialen Medien preis?  In den letzten Jahren hat sich viel getan und fast jedes Unternehmen nutzt Facebook, Twitter und Co. zur Unternehmensdarstellung. Schau einfach mal rein, was du dort finden kannst.

Das eigene Netzwerk befragen: Aktiviere dein Netzwerk. Die Welt ist ein Dorf. Schaue bei XING, GitHub, Stack Overflow und LinkedIn nach, ob du nicht jemanden kennst, der jemanden kennt, der bereits bei dem Unternehmen arbeitet. Wenn ja, hast du Glück und bekommst eine perfekte Innenansicht.

Die Suche nimmt Form an – Verbiege dich nicht

Das Vorstellungsgespräch

Das Vorstellungsgespräch sollte alles andere als eine ernste Angelegenheit sein. Der beste Tipp lautet hier: Sei du selbst. Deine Gesprächspartner sollten ehrlich erfahren können, wer du bist, wie du bist und was du anbieten kannst. Du willst sicher keinen Job haben, bei dem du dich acht Stunden am Tag verstellen musst. Authentizität schlägt Perfektion.

Auch unser COO Jens Friedrich meint, dass das Gespräch, der perfekte Zeitpunkt ist, „um das Wollen zu testen. Hier bewirbt sich nicht nur der Bewerber beim Unternehmen, sondern auch das Unternehmen beim Bewerber. Tools, Kollegen etc. sind wichtige Aspekte, können sich aber jederzeit ändern. Wichtig ist heraus zu bekommen, ob das Unternehmen authentisch ist und zu dem steht, was es erzählt. Änderungen sind normal, aber sie sollten erklärt werden können und da ist die Frage ‚Warum gab es z.B. die Veränderung beim Unternehmen‘ eine gute Gelegenheit heraus zu bekommen, wie transparent das Unternehmen wirklich ist“, sagt er.

Achtung: Bewerte die Atmosphäre im Bewerbungsgespräch nicht über. Auch Personaler und Geschäftsführer haben mal einen schlechten Tag. Letztendlich kommt es darauf an, wie deine direkten Vorgesetzten und Kollegen ticken. Um das rauszufinden, kannst du Detailfragen zu den Projekten stellen. Wie ist das Team organisiert? Welche Tools werden verwendet? Wie lang ist die Einarbeitungsphase? Mit welchem Rechner wirst du arbeiten? Wo würdest du sitzen? Wie setzt sich dein Team zusammen? Wie lange arbeitet das Team schon zusammen? Welche flexiblen Arbeitsmodelle gibt es? Wie ist Mehrarbeit geregelt?

Wichtig: Frag unbedingt nach einem Tag im Team, wenn möglich

Ein Tag im Kreis deiner neuen Kollegen kann sehr aufschlussreich sein. So kannst du testen, ob du dich wohlfühlen würdest. Stelle auch hier alle Fragen, die dir wichtig sind und lass sie dir aus Sicht deiner Kollegen beantworten.

Sei auf die Gehaltsfrage gut vorbereitet, Anhaltspunkte liefert dir zum Beispiel die Robert-Half-Studie oder weitere. Gib auf jeden Fall das Gehalt an, mit dem du auch längerfristig zufrieden bist. Die beste Verhandlungssituation hast du bei deiner Einstellung. Es nutzt weder dir noch dem Unternehmen, wenn du nach 6 Monaten merkst, dass du unzufrieden bist. Berücksichtige bei deiner Gehaltsvorstellung deine Erfahrungen und die Größe des Unternehmens.

Im Übrigen: Die Angabe von Gehaltspannen ist in den meisten Fällen eine ganz schlechte Idee. Weshalb kannst du dir ja vielleicht selbst denken.

Wie treffe ich die richtige Entscheidung

Beobachte dich selbst und hinterfrage dich. Fühlst du dich wohl? Was hattest du dir anders vorgestellt? Besprich dich mit Menschen, die dich gut kennen. Schlafe ein oder zwei Nächte über deine Entscheidung. Triff keine übereilte Wahl. So kannst du „Vom-Regen-in-die Traufe-Situationen“ vermeiden. Vertraue auf deinen Bauch. Dein Unterbewusstsein hat Millionen Informationen gespeichert, die dein Verstand gar nicht bewusst verarbeiten kann. Das Bauchgefühl ist daher einer der best-informierten Ratgeber, die du haben kannst.

Den Jobfrust in der IT zu vermeiden, ist also nicht nur Sache der Unternehmen. Du kannst ebenfalls daran arbeiten, nicht in die Frustfalle zu rutschen.

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Ann-Katrin Seidelt
Ann-Katrin Seidelt
Head of Human Resources

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