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Startup 2.0 – Die Startups der Zukunft sind erfahrene IT-Unternehmen

Lange bevor sich junge IT-Unternehmen Startup nannten, hat der Q.One Geschäftsführer Carsten Puschmann seine erste Firma gegründet. Der Unternehmer steht der Startup-Szene kritisch gegenüber: „Die Zeit der Garagengründungen ist vorbei. Heute brauche ich mehr als eine innovative Idee, um langfristig erfolgreich zu sein. Erfahrene IT-Unternehmen verfügen über Erfolgsfaktoren, die klassischen Startups fehlen.“

Das klassische Startup ist jung, sexy und unerfahren. Eine gefährliche Mischung, denn häufig sammeln die jungen Gründer bereits am Anfang ihres Unternehmertums hunderte Millionen Euro ein. Geld mit dem sie dann versuchen, ihren Traum zu verwirklichen. Apple, Microsoft und Facebook haben es vorgemacht. Aus diesen „Garagengründungen“ sind milliardenschwere Weltkonzerne geworden – echte Leuchttürme der Branche. Worüber kaum jemand spricht, sind die vielen kleinen Kähne, die rund um die Leuchttürme auf Grund gelaufen sind. Blub, blub, blub. Der Business Insider hat im vergangenen Jahr zehn Startups vorgestellt, die 2017 aufgeben mussten. Allein diese zehn Firmen haben dabei 1,7 Milliarden Euro versenkt. In Worten: EINS KOMMA SIEBEN MILLIARDEN EURO! Neben den Millionen gehen auch die Mitarbeiter baden. Sie verlieren ihre Jobs. Die innovative Geschäftsidee, die unter anderen Voraussetzungen vielleicht erfolgreich hätte realisiert werden können, geht ebenfalls unter. BLUB!

Erfolgsfaktor Mitarbeiter: Ein gut eingespieltes Team ist unbezahlbar
Die Basis jedes IT-Unternehmens ist ein gut eingespieltes Team. Startups bestehen meist aus ein bis zwei Gründern, die alles daransetzen, ihre Idee zu verwirklichen. Sie vergessen dabei aber, dass sie nicht alles alleine schaffen können. Niemand ist Programmierer, Marketingprofi und Recruiter in einer Person. Auch mit Geld lässt sich dieses Problem nur bedingt lösen. Jedes Team muss sich einspielen. Gemeinsam Fehler machen und daran wachsen, die Chance haben sich gemeinsam weiterzuentwickeln. Hier haben etablierte IT-Unternehmen einen echten Vorteil: Sie verfügen bereits über eine gut eingespielte Infrastruktur. Lohnbuchhaltung ist vielleicht nicht sexy, aber ich muss jemanden haben, der sich zuverlässig darum kümmert. Gerade diese Basisthemen blenden junge Gründer oft aus.

Selbstverständlich unterscheiden sich die Teams in IT-Unternehmen von denen in Startups. Wer auf Mitarbeiter mit Lebenserfahrung setzt, muss berücksichtigen, dass diese Mitarbeiter tatsächlich auch ein Leben haben. Überraschung! Sie haben Familie, Kinder, Verpflichtungen und lassen sich nur schwer von der Idee begeistern, 24/7 erreichbar zu sein. Das muss okay sein.

Erfolgsfaktor Strategie: Nicht jede Idee ist ein tragfähiges Produkt
„Wie will ich mit meinem Produkt Geld verdienen?“ Das sollte die erste Frage sein, die sich jeder Gründer stellt. Doch das berühmte Geschäftsmodell sucht man bei vielen Startups vergeblich. Sie konzentrieren sich auf die „technische Umsetzung“ und den Beweis, dass ihre Technologie funktioniert. Heureka! Die Frage nach der Finanzierung wird per Crowdfunding gelöst. Später könnte dann „irgendwas mit Werbeplätzen“ finanziert werden. Möööp!
Als Gründer habe ich Verantwortung. An einem Mitarbeiter hängen Verpflichtungen für Familie, Haus und Hof. Somit müssen Themen wie Finanzierbarkeit und Nachhaltigkeit in den Fokus rücken. Es gilt: Strategie vor Technologie! Meine Geschäftsidee muss nicht nur beweisen, dass sie funktioniert, sie muss auch skalierbar sein und langfristig Einnahmen generieren. Deshalb muss sich der Gründer fragen: „Wie viel kann ich mit meinem Produkt verdienen? Und für wie lange?“ Erst nachdem ich darauf eine halbwegs verlässliche Antwort gefunden habe, wird die Teamgröße festgelegt, das schicke Büroloft gemietet und der Champagner-Spender aufgestellt.

Erfolgsfaktor Netzwerk: Projekte als Türöffner nutzen
Ein etabliertes IT-Unternehmen verfügt bereits über ein gutes Netzwerk. Erfolgreich realisierte Projekte können so zum Türöffner werden. Während Startup-Kollegen per Crowdfunding eine Anschubfinanzierung generieren, kann der erfahrene Unternehmer bereits bestehende Businesskontakte nutzen. Man kennt sich. Oder kennt jemanden, der jemanden kennt. Ein Gründer benötigt Partner, Mentoren und echte Sparringspartner. Wer aus dem Angestelltenverhältnis oder direkt von der Uni kommend ein Startup gründet, hat noch viel Arbeit beim Aufbau eines belastbaren Netzwerks vor sich.

Erfolgsfaktor Erfahrung: Ruhe bewahren
Jedes IT-Unternehmen ist Schwankungen unterworfen. Gerade in einer Tiefphase gilt es, die Ruhe zu bewahren. Erfahrene Unternehmer verlieren auch dabei nicht ihr Ziel aus den Augen. So wird keine Technologieentscheidung hektisch über den Haufen geworfen oder das Geschäftsmodell kurzerhand neu geschrieben. Das Wichtigste ist mit kühlem Kopf zu entscheiden, was der Verfolgung der gewählten Strategie nützt und was nicht.

Fazit: Erfahrene IT-Unternehmen sind die Startups 2.0
Innovative Geschäftsideen lassen sich auch außerhalb des Startup-Umfelds realisieren. Etablierte IT-Unternehmen verfügen über zahlreiche Erfolgs- und Stabilitätsfaktoren, die es ihnen ermöglichen skalierfähige und nachhaltige Produkte zu entwickeln. Sie verfügen dank ihrer Mitarbeiter über genügend Expertise und Erfahrung, um Mammut-Entwicklungsprojekte zu stemmen. Startups müssen lernen unternehmerisch zu denken und zu handeln. Um nicht unterzugehen, müssen sie schlicht erwachsen werden.

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Carsten Puschmann
Carsten Puschmann
CEO & Co-Founder

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